
Wenn sich nach der Tageshitze ein Abendgewitter ankündigt, beginnt auf vielen Bauernhöfen der Wettlauf gegen die Uhr. Die LandwirtInnen füllen nochmals die Tränken, kontrollieren die Bewässerung und bringen dann den Mähdrescher in Stellung. Das trockene Futter muss unter Dach, das reife Getreide vom Feld.
Mitten in dieser Hochsaison wird in Medien und sozialen Netzwerken hämisch gefragt:
«Wo bleiben jetzt eigentlich die Bauernproteste gegen die Klimakrise?»
Die Frage nach der politischen Verantwortung der Landwirtschaft ist berechtigt. Die Häme ist es nicht.
Zur Erinnerung: Im Winter 2023/2024 protestieren Landwirte mit ihren Traktoren gegen die Kürzungen von Agrarsubventionen und die Bürokratisierung sowie gegen die EU-Freihandelsabkommen mit Mercosur und der Ukraine.

Im Sommer haben die Bauern keine Zeit für Proteste
Dass Bauernproteste im Winter stattfinden, hat einen einfachen Grund: Dann fällt auf den Feldern weniger Arbeit an. Im Sommer können LandwirtInnen nicht protestieren, sie müssen arbeiten.
Im Juli und August ist in Ackerbau, Obst-, Gemüse- und Futterproduktion Hochsaison. Geerntet wird dann, wenn Wetter und Reife es erlauben – nicht nach Terminkalender. Tierhaltung kennt ohnehin keinen Feierabend: Kühe, Schweine und Geflügel müssen auch bei Hitze versorgt werden.
Eine Studie aus der Schweiz zeigt, dass BetriebsleiterInnen durchschnittlich 66 Stunden pro Woche arbeiten. LandwirtInnen kennen keine 40-Stunden-Woche. Im Sommer schon gar nicht.
Sie ackern im doppelten Sinne des Wortes von früh bis spät auf dem Feld. Daneben müssen sie rund um die Uhr die Bewässerung der Gemüsekulturen und die Wasserversorgung für ihre Tiere sicherstellen.
Und wenn – selten genug – ein Abendgewitter droht – muss das trockene Gras vorher zu Siloballen gepresst, das Getreide mit dem Mähdrescher geerntet werden.



